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KLIMAWANDEL IN HONDURAS

16.09.2022 | BLOG | VON JANINE PLICKERT

Die Sonne brennt vom Himmel, José rinnt ein Schweißtropfen von der Stirn. Er schirmt mit der Hand die Sonne ab und lässt den Blick besorgt über sein Feld schweifen. Wenn es nicht bald regnet, werden der Mais und die Bohnen vertrocknen – und damit die Ernte, von der seine Frau, ihre beiden Söhne und er in den nächsten Monaten leben wollten. 

Vielen Menschen in Honduras geht es wie José und seiner Familie. Obwohl Honduras selbst nur wenig zum Klimawandel beiträgt, ist das Land besonders stark von den Folgen betroffen: Dürren und Wirbelstürme nehmen den Menschen ihre Lebensgrundlage.

 

The Opportunity Project hilft ihnen, widerstandsfähiger gegen die Folgen der Klimakrise zu werden – damit sie sich langfristig ein selbstbestimmtes Leben aufbauen können.
 

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INHALTSVERZEICHNIS

KLIMAWANDEL DEFINITION: WAS GENAU IST DER KLIMAWANDEL?

 

Unser Planet heizt sich zu stark auf – und der Grund dafür sind wir Menschen, da sind sich 97 % der Klimaforscher weltweit einig.¹ Das Klima hat sich zwar schon immer verändert und Eiszeiten wechselten sich mit Warmzeiten ab. Doch seit Beginn der Industrialisierung steigt die Temperatur ungewöhnlich schnell an. Diese rasante Erwärmung liegt außerhalb der natürlichen Schwankungen und ist nicht durch natürliche Einflüsse erklärbar. Sie wird hauptsächlich verursacht durch unseren Ausstoß von Treibhausgasen.

WELCHE URSACHEN HAT DER KLIMAWANDEL?

 

Menschen verstärken den natürlichen Treibhauseffekt

Treibhausgase sind grundsätzlich nichts Schlimmes: Der natürliche Treibhauseffekt macht unser Leben auf der Erde überhaupt erst möglich. Sonnenstrahlen treffen auf die Erde, die Erde strahlt wiederum Wärme ab und diese wird von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) und Methan in der Atmosphäre gespeichert. Ohne sie wäre die Erde eine unbewohnbare Eiswüste mit -18 Grad. Doch durch uns Menschen ist der Gehalt von Treibhausgasen in der Atmosphäre extrem stark angestiegen. Die CO2-Konzentration ist heute so hoch wie noch nie in den letzten 600.000 Jahren.² Die Folge: Die Atmosphäre heizt sich zu stark auf.

Woher stammen die Treibhausgas-Emissionen?

Die menschengemachte Erderwärmung begann, als die ersten Dampfmaschinen ihre Abgaswolken in den Himmel pusteten. Seit der industriellen Revolution um 1850 hat sich der Wohlstand in den Industrieländern stetig vergrößert – indem fossile Rohstoffe wie Kohle, Öl und Erdgas verbrannt wurden. Ein großer Teil der klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen wird daher heute von Industrieländern verursacht. Die jährlichen CO2-Emissionen lagen 2020 zum Beispiel in Deutschland bei 7,7 Tonnen pro Person und in Honduras nur bei 1,09 Tonnen pro Person.³ Die Treibhausgase entstehen vor allem durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe für Elektrizität, Wärme, Industrie, Verkehr und Landwirtschaft.

 

KLIMAWANDEL AKTUELL: WELCHE FOLGEN HAT DIE KLIMAKRISE?

Fast täglich berichten die Nachrichten von den Auswirkungen, die der Klimawandel aktuell bereits hat. Im Vergleich zur vorindustriellen Zeit hat sich die globale Durchschnittstemperatur um 1,2 Grad erhöht.⁴ Was nicht nach viel klingt, hat jedoch verheerende Folgen für Mensch und Natur:

  • Extreme Wetterereignisse: Familien vor den Trümmern ihrer Häuser, verbrannte Wälder, von Fluten mitgerissene Menschen und Tiere – die Klimakrise führt weltweit zu immer mehr und stärkeren Extremwetterereignissen. Wirbelstürme, Dürren, Hitzewellen und Überflutungen verursachten zwischen 2000 und 2019 über 475.000 Todesfälle und Schäden in Höhe von 2,56 Billionen US-Dollar.⁵

  • Wassermangel und Ernteausfälle: Höhere Temperaturen und ausbleibende Niederschläge führen in vielen Teilen der Welt dazu, dass das Wasser knapp wird. Setzen dann Starkregen und Überschwemmungen ein, wird der Boden abgetragen und zerstört – und mit ihm die Ernten.

  • Schmelzendes Eis, höherer Meeresspiegel: Das Eis auf der Erde schmilzt in bisher unbekanntem Ausmaß. Der Nordpol könnte bereits ab 2035 im Sommer komplett eisfrei sein. ⁶ Ein Teufelskreis: Je weniger Eis vorhanden ist, desto weniger wird die Sonnenstrahlung zurück ins All reflektiert, was wiederum die Erderwärmung verstärkt. Dadurch steigt der Meeresspiegel an und macht ganze Küstenregionen unbewohnbar.

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  • Tauende Permafrostböden: Indem die Permafrostböden in Sibirien und anderen Gebieten auftauen, wird Methan freigesetzt, welches das Klima 21 mal stärker aufheizt als CO2. Als Folge entweicht noch mehr Methan. Würden alle Permafrostböden auftauen, könnte so viel Methan freigesetzt werden wie die gesamte Menge unseres bisher ausgestoßenen CO2.⁷

  • Versauernde Ozeane: Ozeane nehmen etwa ein Viertel der menschengemachten CO2-Emissionen auf. Dadurch sinkt ihr pH-Wert, das heißt das Wasser wird saurer. Seit 1850 sind die Meere um fast 30 % saurer geworden. Das schädigt vor allem kalkbildende Lebewesen wie Korallen – mit schweren Folgen: 400 Millionen Menschen weltweit sind für Nahrung und Schutz vor Sturmwellen auf Korallenriffe angewiesen.

Forscher prognostizieren anhand von Klimamodellen: Ohne weltweite Anstrengungen zur Reduktion von Treibhausgasen könnte die Temperatur sogar um bis zu 5 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit steigen. Das hätte drastisch erhöhte Risiken für die Bewohnbarkeit unserer Erde zur Folge.⁸

 

WIE WIRKT SICH DER KLIMAWANDEL IN HONDURAS AUS?

Extremwetter verstärkt Ernährungsunsicherheit

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Honduras trägt nur 0,03 % zu den weltweiten CO2-Emissionen bei.⁹ Gleichzeitig ist es eines der Länder, das am stärksten von der Klimakrise betroffen ist. Viele Menschen leben in ländlichen Gebieten, 60 % von ihnen unterhalb der Armutsgrenze. Sie leben von selbst angebautem Mais und Bohnen und sind dafür auf Regen angewiesen. Doch durch die Klimakrise kommt es das ganze Jahr über zu Hitze und Dürren und im Herbst zu Wirbelstürmen und Überflutungen. Diese Wetterextreme zerstören die Ernten und verschlimmern die Ernährungsunsicherheit. 

 

Die Unterernährung wirkt sich besonders auf die kognitive und körperliche Entwicklung von Kindern aus. Sie fehlen durch Krankheiten in der Schule, lernen weniger und brechen oft die Schule ab. Dieser Mangel an Bildung hindert die gesamten Gemeinden daran, sich nachhaltig zu entwickeln.

Wirbelstürme zerstören die Existenz der Menschen

Ende 2020 richteten die zwei besonders schweren Wirbelstürme Eta und Iota katastrophale Schäden an. Wassermassen und Erdrutsche rissen die häufig maroden Häuser und Straßen sowie Ernten weg. Viele Familien haben alles verloren. Wie in anderen Entwicklungsländern sind die Menschen in Honduras den Klimarisiken schutzlos ausgeliefert. Sie können die Folgen von Extremwetter schlechter bewältigen, da sie nicht auf Ersparnisse oder staatliche Hilfen zurückgreifen können. Zusammen mit Gewalt, Armut und Korruption zwingen die Folgen des Klimawandels daher viele Menschen zur Flucht aus Honduras.

Carlos Manuel Urbina - Co-Founder und Head of Community Initiatives 

erlebt vor Ort selbst, welche Folgen der Klimawandel für die Menschen in Honduras hat. Im Folgenden berichtet er von seinen Erfahrungen.

Wie nimmst du den Klimawandel in Honduras wahr?

 

Carlos: Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Honduras deutlich spürbar, besonders in den ländlichen, anfälligeren Gebieten des Landes. Wir erleben sehr hohe Temperaturen, die unsere Felder austrocknen. Dazu kommen Überschwemmungen und gefährliche Erdrutsche. Der Klimawandel verändert die Jahreszeiten. Normalerweise ist im Mai Regenzeit, aber es hat jetzt seit drei Jahren im Mai nicht mehr geregnet.

Welche Folgen hat das für die Menschen?

 

Carlos: Der Klimawandel wirkt sich auf den landwirtschaftlichen Anbau und auch auf die Biodiversität aus. Die hier lebenden Familien können sich nicht mehr darauf verlassen, von ihren Ernten leben zu können. Sie sähen Mais und Bohnen aus, aber die Pflanzen vertrocknen. Durch den fehlenden Regen werden die Böden unfruchtbar. Viele Menschen, jung und alt, sind daher unterernährt. 

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WIE KÖNNEN WIR DEN MENSCHEN IN HONDURAS HELFEN?

Ernährungssicherheit stärken

Die Folgen des Klimawandels hindern die Menschen in Honduras daran, sich ein besseres Leben aufzubauen, obwohl sie selbst nur wenig zur Klimaerwärmung beitragen. The Opportunity Project hilft ihnen daher, mit den Herausforderungen umzugehen, die die Klimakrise in ihr tägliches Leben bringt. 

 

Unsere Gardens for Growth Initiative unterstützt Familien dabei, widerstandsfähiger gegen Wetterextreme zu werden und ihre Ernährung zu sichern. Sie erhalten von uns Saatgut, Werkzeug und Wissen, um ihren eigenen Gemüsegarten anzulegen. In regelmäßigen Workshops lernen sie, wie sie am besten mit Dürren umgehen, Bewässerungssysteme anlegen und den Boden mit Kompost fruchtbarer machen. Um das Risiko von Ernteausfällen zu verringern, bauen sie Mischkulturen mit Möhren, Zucchini, Tomaten, Salaten und weiterem Obst und Gemüse an.

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Hilf den Menschen, widerstandsfähiger zu werden

Durch den eigenen Anbau von Gemüse können sich die Menschen gesünder ernähren. Dadurch verbessern sich die kognitiven und körperlichen Fähigkeiten der Kinder. Sie fehlen seltener in der Schule und ihre Bildung verbessert sich – die Basis, um sich langfristig ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

Zusätzlich können sich Familien durch den Verkauf von überschüssigem Gemüse Rücklagen schaffen, um widerstandsfähiger gegen die Folgen von Wetterextremen zu werden. Möchtest Du den Menschen in Honduras helfen, ihr Leben an den Klimawandel anzupassen? Dann freuen wir uns über Deine Spende:

 

WAS KANN MAN GEGEN DEN KLIMAWANDEL TUN?

Klimaziele weltweit: Wie können Regierungen den Klimawandel begrenzen?

Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel kommen an ihre Grenzen, wenn die Klimaerwärmung weiter voranschreitet. Wir müssen daher die Klimawandel Ursachen bekämpfen. Auf dem UN-Klimagipfel in Paris 2015 haben sich die Regierungen der Welt geeinigt: Die globale Erderwärmung soll unter 2 °C im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bleiben – am besten sogar unter 1,5 °C. Ansonsten drohen nicht mehr kontrollierbare Risiken für das Leben auf der Erde. 


Um dieses Ziel zu erreichen, muss der weltweite CO2-Ausstoß durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas bis 2050 gegen Null gehen. Dafür müssen Industriestaaten ihre Anstrengungen zum Klimaschutz jetzt verstärken und Entwicklungsländern helfen, Lösungen gegen den Klimawandel umzusetzen – von neuen Energieträgern und mehr Energieeffizienz bis hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil.

Klimaschutz – was kann ich tun?

Neben der Politik kannst auch Du im Alltag mithelfen, das Klima zu retten. Jeder Beitrag zählt! Wenn wir alle unsere CO2-Emissionen reduzieren, hat das in Summe eine große Wirkung. Wer sich für den Klimaschutz einsetzt, spart sogar häufig Geld und lebt gesünder. 


Mit diesen einfachen Tipps kannst Du Deine CO2-Bilanz verbessern:

  • Weniger tierische Produkte essen

  • Regional und saisonal einkaufen

  • Unnötige Plastikverpackungen vermeiden¹⁰

  • Einkäufe planen und Lebensmittelabfälle vermeiden

  • Leitungswasser trinken

  • Kurzstrecken mit dem Fahrrad statt Auto fahren

  • Urlaube mit Bahn, Bus oder Fahrrad planen

  • Zu einem zertifizierten Ökostrom-Anbieter wechseln

  • Spenden für Klimaschutz Projekte

  • Auf Elektrogeräte mit niedrigem Stromverbrauch achten

  • Geräte abschalten statt nur Stand-by Modus

  • Dinge möglichst reparieren statt wegwerfen

  • Weniger konsumieren und gebraucht statt neu kaufen


Zusammen können wir dem Klimawandel entgegenwirken, damit das Leben auf unserer Erde auch in Zukunft lebenswert ist – für die Menschen in Honduras und auf der ganzen Welt.

WEITERFÜHRENDE QUELLEN:

  1. John Cook et al.: „Quantifying the consensus on anthropogenic global warming in the scientific literature“ (2013), Environmental Research Letters 8(2), https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/8/2/024024

  2. „Klimawandel und seine Folgen“, Massive Open Online Course des Deutschen Klima Konsortiums und WWF, https://www.wwf.de/aktiv-werden/bildungsarbeit-lehrerservice/mooc-online-vorlesung

  3. Country Fact Sheets Honduras / Germany, Emissions Database for Global Atmospheric Research (EDGAR), European Commission, https://edgar.jrc.ec.europa.eu/country_profile/HND und https://edgar.jrc.ec.europa.eu/country_profile/DEU

  4. Our Planet, Our Future – An Urgent Call for Action. Statement, https://www.nationalacademies.org/news/2021/04/nobel-prize-laureates-and-other-experts-issue-urgent-call-for-action-after-our-planet-our-future-summit

  5. Globaler Klima-Risiko-Index (2021), Germanwatch e.V., https://www.germanwatch.org/de/19777

  6.  „Arktis ohne Eis?“, WWF, https://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/arktis/arktis-ohne-eis

  7. „Eisschmelze: Das große Rauschen“ (2019), radioWissen Bayern 2, https://www.br.de/mediathek/podcast/radiowissen/eisschmelze-das-grosse-rauschen/1788905

  8. „Das Wissen zu saureren Meeren auf einen Blick“, Alfred-Wegener-Institut (AWI), https://www.awi.de/im-fokus/ozeanversauerung/fakten-zur-ozeanversauerung.html

  9. Country Fact Sheet Honduras, Emissions Database for Global Atmospheric Research (EDGAR), European Commission, https://edgar.jrc.ec.europa.eu/country_profile/HND

  10. „Klimawandel: Plastik heizt das Klima an“, Heinrich Böll Stiftung, https://www.boell.de/de/2019/06/06/klimawandel-plastik-heizt-das-klima

 
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